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Über mich

Prochat Madani. Geboren am 11.09.1967 in Täbriz. Das sagt zumindest mein österreichischer Pass. Und er lügt. In Wirklichkeit bin ich am 11.10.1967 geboren. Nein, ich habe mich nicht freiwillig um einen Monat älter gemacht, der Übersetzer meiner Geburtsurkunde vom Persischen ins Deutsche hat sich um einen Monat verrechnet – von der islamischen in die christliche Zeitrechnung.

Aber ganz ehrlich, nicht einmal der 11. Oktober ist gesichert: Meine Mutter kann sich nämlich nicht erinnern, wann genau ich das Licht der Welt erblicken durfte. Und warum der Übersetzer auch noch das „s“ in meinem Vornamen unterschlagen hat – ich weiß es nicht. Habe ihn nicht gefragt, mich auch nie um eine Richtigstellung bemüht. Ja, so sind wir, wir Perser, wir haben es nicht so mit Zahlen und Fakten. Und ich? Schon gar nicht.

Deshalb lasse ich es auch hier lieber gleich mit den Daten und erzähle Ihnen stattdessen, was Sie wirklich über mich wissen sollten. Z.B. dass ich eine passionierte Sitzerin bin. Frühmorgens, auf meiner Couch, zwei Stunden lang, mit einer Tasse Kaffee in der Hand und Blick auf meine Terrasse. Im Sommer beobachte ich dort die Hummeln und amüsiere mich prächtig über sie. Ich finde Hummeln nämlich sehr lustig. Dick, unförmig und vollkommen unbeeindruckt davon. Ein Tag, der so beginnt, hat noch nie ein schlechtes Ende gefunden.

Ich esse gerne und viel. Am liebsten Topfenstrudel und Kaiserschmarrn. Die Wienerin in mir lässt grüßen. Im Kino weine und lache ich ungezügelt, auch wenn ich sonst meine Gefühle zu zügeln weiß. Bachs Cello Suiten machen mich glücklich. Cate Blanchett halte ich für die beste Schauspielerin der Welt. Ich lasse gerne Eiswürfel auf der Haut zergehen, das kribbelt so schön. Manchmal fahre ich kurz vor Sonnenuntergang ziellos durch die Stadt und fühle mich grenzenlos frei dabei. Meine Erfahrungen teile ich gerne, vermeide es aber tunlichst ein Vorbild zu sein. Smalltalken kann ich sehr gut, ebenso gut kann ich auch darauf verzichten. Ich liebe meine Familie und habe die besten Freunde, die es gibt. Wenn es mir mal schlecht geht, denke ich daran und weiß, irgendetwas muss ich richtig gemacht haben im Leben. Vieles verstehe ich nicht. Z.B. warum wir Steuergesetze haben, die so kompliziert sind, dass man sie jahrelang studieren muss, um anderen zu erklären, wie sie ihre Steuern zu zahlen haben.

Die Berliner sind mir mittlerweile ans Herz gewachsen, anfänglich hatte ich ein wenig Angst vor ihnen. Ich habe viele Vorurteile, aber gebe jedem die Chance, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Ich stolpere oft und lasse gern mal auch etwas fallen. Selten die Hüllen, oft aber Tassen und Teller. Ja, ich bin lustiger, als man es mir auf den ersten Blick ansieht. Cool bin ich tatsächlich nicht. Dafür aber eine sehr gute Zuhörerin, wenn mich etwas auszeichnet dann das. Ich werde immer mehr zum Morgenmenschen – oder einfach langsam senil. Mein Lieblingskinderbuch heißt „So wie du bist“. Ich träume auf Deutsch. Meine Lieblingslandschaft ist eine Blumenwiese mit Kühen darauf. Ich war nie verheiratet und habe nicht vor, etwas daran zu ändern. Meine Tochter liebe ich nicht nur, weil sie mein Kind ist, ich mag sie einfach als Mensch.

In meinem nächsten Leben möchte ich gerne singen können. Urlaub mache ich nicht so gerne, dafür arbeite ich lieber entspannt. British English ist für mich die erotischte Sprache, Erdbeerpudding mein größter kulinarischer Tiefschlag. Und wenn es dann eines Tages so weit ist, möchte ich gerne den Löffel lachend abgeben. Für den Anfang reicht das mal, denke ich. Das Wesentliche wissen Sie nun von mir. Alles andere können Sie ja in meinem Buch„Suche Heimat, biete Verwirrung“lesen.
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Proschat Madani Proschat Madani Proschat Madani